Etwas Großes ist passiert: In der Buchwelt denkt man bei so einer Ankündigung oft an einen Verlagsvertrag. Das ist es nicht. Es passiert im Innern, in mir.
Die letzten zwei Jahre, seit kein Verlag meinen Thriller veröffentlichen wollte, bin ich auf der Stelle getreten. Ich plante mehrere Geschichten, entwickelte Figuren, Handlungen, Plottwists bis ins kleinste Detail. Im besten Fall schrieb ich fünfzig Seiten, ehe ich sie verwarf, im schlechtesten Fall kein einziges Wort. Die Geschichten waren eingebettet in ein Raster, das in die Schubladen der Verlage passt. Verlage wollen Thriller, keine Spannungsromane. Sie wollen starke Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Eine Handlung, die überrascht. Ich fühlte keine dieser Geschichten. Sie gehörten nicht zu mir.
Ende März starb jemand, der mir sehr nahe stand. Während der Zeit der Trauer erlitt ich beim Schreiben einen kompletten Sinnverlust. Ich schrieb Geschichten über Gewalt und Hass, die mir auf einmal so oberflächlich vorkamen, so unbedeutend angesichts dieser immensen Trauer. Und plötzlich wusste ich: Thriller schreiben kann ich nicht mehr. Ich will es nicht.
Ich meldete mich für ein Online-Schreibseminar an und lernte eine völlig neue Herangehensweise: Einfach drauf losschreiben, ohne zu planen, ohne nachzudenken. Nur aufschreiben, welche Bilder mir durch den Kopf gehen, den Figuren folgen. Wenn du mir eine Weile folgst, weißt du, dass dies das komplette Gegenteil von dem ist, was ich bisher gemacht habe. Jede Woche wieder dachte ich, das kann nichts werden. Ach was, ich dachte es jeden Tag. Aber ich machte weiter, weil ich dem unbedingt eine Chance geben wollte.
Zum Glück: Das Schreiben gab mir in den letzten zwei Monaten so viel zurück. Es ist ein Mittel geworden, mich selbst besser kennen zu lernen. Dabei ist eine Geschichte entstanden, in der sich vielleicht auch andere wiederfinden. Und ich bin eine Autorin geworden, die während des Schreibens ab und zu weint. Das ist das Große: Die Erkenntnis, was das Schreiben in mir bewirken kann. Dass ich damit weitermachen werde, unabhängig von KI und Markttrends, weil diese Geschichten geschrieben werden wollen.