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Am Rand der Klippe-16

Vor ein paar Tagen, pünktlich zum Jahresende, habe ich einen Workshop gemacht: nur mit mir selbst. Das Thema lautete: ich als Autorin. Bewaffnet mit Stift und Papier, sowie meinem Laptop in der Tasche, habe ich mich in verschiedene Cafés gesetzt und mir Gedanken dazu gemacht, wie es mit mir als Autorin in Zukunft weitergehen soll.

Einen ganzen Tag lang hatte ich Zeit nur für diese eine Frage. Ich habe darüber nachgedacht, warum ich schreibe, was für Bücher ich schreiben möchte und welche Themen mich faszinieren auf welchem Weg ich sie in die Welt tragen möchte. Die Antwort kannte ich eigentlich schon, zumindest teilweise. Und doch wurde ich überrascht.

Von dieser Agenda habe ich mich leiten lassen:

Einführung: Warum schreibe ich?

Warum schreibe ich? Was treibt mich an, Geschichten zu erzählen oder Texte zu verfassen?

Rückblick: Was habe ich bisher geschrieben?

Welche Genres, Themen und Motive ziehen sich durch meine bisherigen Texte?

Welche Elemente meines Schreibens haben mir besonders Freude gemacht?

Was möchte ich in meinem zukünftigen Schreiben vermeiden oder verändern?

Mein Herzthema: Worüber möchte ich schreiben?

Welche Themen sprechen mich besonders an?

Welche Geschichten, Botschaften oder Fragen möchte ich mit meinen Texten erkunden?

Warum sind diese Themen oder Geschichten für mich wichtig?

Genre und Stil: Wie möchte ich schreiben?

Welche Genres oder literarischen Formen passen am besten zu mir?

Wie würde ich meinen Schreibstil beschreiben?

Gibt es Vorbilder oder Inspirationsquellen, die meinen Stil beeinflussen?

Mein nächstes Projekt: Was kommt als Nächstes?

Welche Idee für ein Schreibprojekt fühlt sich aktuell „richtig“ an?

Welche konkreten Schritte kann ich unternehmen, um mit diesem Projekt zu starten?

Welcher Zeitrahmen und welche Zielsetzung sind realistisch für mich?

Ein paar der Erkenntnisse, die ich an diesem Tag gewonnen habe, möchte ich hier teilen. Allen voran: Was ist mein Warum? Das ist die mit Abstand am wichtigste Frage überhaupt. Warum schreibe ich? Viele Autorinnen, die ich kenne, würden die Frage so beantworten: »Ich schreibe, weil ich nicht anders kann.« Oder: »Da ist eine Geschichte in mir, die in die Welt getragen will.«

Bei mir ist das nicht so. Ich habe keine Geschichten in mir, ich muss nicht schreiben. Aber ich will. Weil mir das Schreiben unwahrscheinlich viel Spass macht. Das Schreiben selbst ist für mich wie ein Rätsel, das ich selbst löse: Wie kann ich die Geschichte so erzählen, dass sie die Leserin von Anfang an fesselt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Lange wollte ich mir das nicht eingestehen, vielleicht, weil es besseres Storytelling ist, wenn man etwas in sich hat, das einfach raus muss. Aber eigentlich ist nichts falsch daran, wenn man an einer Tätigkeit einfach nur Freude hat.

Was möchte ich bei meinem zukünftigen Schreiben vermeiden oder verändern? Schon lange ist es mein Ziel, bei einem Verlag zu veröffentlichen. Vor allem, weil ich mich voll und ganz auf das Schreiben konzentrieren möchte. Aber auch, weil ich mir eine grössere Reichweite erhoffe. Ich habe gemerkt, dass es mir wahnsinnig wichtig ist, dass meine Bücher auch Erfolg haben. Und damit meine ich finanziellen Erfolg. Es reicht mir nicht, wenn ich in meinem Umfeld Rückmeldungen bekomme, sie hätten mein Buch innerhalb von zwei Tagen verschlungen, obwohl das natürlich sehr schön ist. Ich will den Erfolg es in den Zahlen sehen. Doch irgendwann musste ich innehalten und mich fragen: Macht es mich wirklich glücklich, immer mehr und mehr und mehr erreichen zu wollen? Eigentlich sollte ich mich mehr auf das Schreiben an und für sich fokussieren. Mir das Ziel zu setzen, mit jedem Roman, mit jedem Kapitel, mit jeder Szene immer besser zu werden. Meine Leserinnen stärker zu fesseln. Ich sollte das Schreiben an und für sich geniessen und mich nicht unter Druck setzen. Das bedeutet aber auch, dass ich mich von der Idee lösen muss, vom Schreiben leben zu können.

Da bin ich beim Kern angelangt: Ich möchte mich nicht mehr unter Druck setzen lassen. Schreiben ist eine kreative Tätigkeit, die manchmal Zeit braucht. Ich lege Rohfassung gerne länger zur Seite, manchmal sogar nur die Idee für ein Buch, damit sie sich entfalten kann. Diese Zeit will ich mir geben, denn ich weiß, dass dadurch die besseren Geschichten entstehen. Bitte verzeih mir, wenn du manchmal länger auf ein Buch warten musst. Und glaubt mir, dass es sich lohnt.

PS: Diesen Beitrag habe ich letztes Jahr geschrieben und nie gepostet. Kürzlich habe ich ihn wiederentdeckt und gemerkt: Er ist immer noch aktuell.

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