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Books on Demand ist die erste Wahl fast aller Selfpublisher. Für mich war klar, dass auch mein Buch bei BoD gedruckt werden würde – bis ich das Probeexemplar in den Händen hielt. Die Druckqualität war mehr als unbefriedigend. Fast auf jeder Seite fand ich verzerrte Buchstaben. Die Druckerschwärze verschmierte, wenn man die Seiten mit leicht feuchten Fingern anfasste. Auf meine Anfrage hin meinte BoD, das könne in Einzelfällen passieren. Mittlerweile hatten sich vier unterschiedliche Romane in meinem Regal angesammelt, jeder bei BoD veröffentlicht, jeder mit demselben Qualitätsproblem. Manche Leser stört es nicht, mich leider schon.

BoD, Tredition, KDP oder doch Nova?

Ich recherchierte nach Alternativen. Entweder waren sie zu teuer (Tredition) oder lieferten weder Probedrucke noch Autorenexemplare in die Schweiz (KDP). Nur eine konnte mich überzeugen: Eine eigene Auflage drucken und mit Nova vertreiben lassen. Nur so würde mein Buch aussehen, wie ich es mir wünsche: ohne verzerrte und verschmierte Buchstaben, von der Qualität her einem Verlagsbuch in Nichts nachstehend.

»Aber was, wenn niemand dein Buch kauft?«, flüsterten die altbekannten Zweifel.

Ja, was dann? Dann würde es in unserer Dreizimmerwohnung, wo Platz sowieso Mangelware ist, herumliegen und nicht gelesen werden, was allein für sich schon ein schmerzhafter Gedanke ist. Zudem müsste ich die Kosten für den Druck vorschießen, ohne zu wissen, ob ich sie jemals wieder hineinholen würde. Als ich den Vertrag von Nova durchlas, erfuhr ich, dass mir jeden Monat fünf Euro Versicherung für die Lagerung der Bücher verrechnet werden würden. Nicht nur das: Am Ende der drei Jahre Vertragsdauer würde mir Nova die nicht verkauften Exemplare auf meine Kosten zurückschicken. Jeder, der in der Schweiz lebt, weiß, wie teuer das ist. Autorenkolleginnen rieten mir davon ab, da Selfpublisher sowieso überwiegend eBooks verkaufen würden. Lieber klein beginnen und schauen, wie das Buch läuft.

»Dann erscheint das Buch halt doch bei BoD«, sagte ich mir und war todunglücklich damit. Nie würde der Postbote mir ein Paket voller Bücher überreichen und ich keine signierten Exemplare verschicken können. Denn dafür sind die Eigenexemplare, die man als Autorin bei BoD bestellen kann, zu teuer. Vor allem mit Lieferung in die Schweiz. Ihr wisst ja, die Versandkosten.

Warum nicht eine eigene Auflage drucken?

Aus heiterem Himmel kam die rettende Idee. Warum nicht Nova aus der Rechnung streichen, eine winzige Auflage vorab drucken und vertreiben? So hätte ich beides, das Paket voller Bücher und die Möglichkeit, signierte Exemplare zu verschicken. Wenn diese erste Auflage ausverkauft wäre, würde das Taschenbuch regulär bei BoD erscheinen. Mein Herz hüpfte freudig bei dem Gedanken und ich schmiedete Pläne. Eigentlich wollte ich 60 Stück bestellen, doch eine Freundin meinte: »Gehts noch, du bestellst mehr!« So wurden daraus 120. Zugegebenermaßen war das mit Bauchschmerzen und einer schlaflosen Nacht verbunden. Und natürlich mit dem Aufschrei meines inneren Zweiflers und der Angst, dass niemand das Buch kauft.

Dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Innerhalb von drei Wochen waren alle Bücher weg. Und es trudelten weitere Bestellungen ein, die ich auf den 18. September vertrösten musste, wenn das Buch regulär im Buchhandel erscheinen würde. Gedruckt bei BoD mit verzerrten und verschmierten Buchsaben. Wieder war da dieses unbefriedigende Gefühl. Die schlechte Druckqualität würde nur mir auffallen, sagte ich mir. Jedem, dem ich das Buch gezeigt hatte, bemerkte es nicht. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber beim Gedanken, Buchhandlungen darum zu bitten, mein Buch ins Sortiment aufzunehmen, war mir komisch zumute. Wahrscheinlich würde ich mich bei dieser Druckqualität gar nicht getrauen. Dazu kam, dass ich ab sofort kein einziges signiertes Exemplar mehr würde verschicken können, weil BoD das exklusive Vertriebsrecht einforderte. Mit Nova dürfte ich meine Bücher weiterhin selbst verkaufen. Plötzlich drang die Ökonomin in mir an die Oberfläche: »Rechne doch mal nach. Wenn du ein Buch pro Monat selbst verkaufst, hast du die Versicherungskosten von Nova wieder eingespielt.«

Nur wegen der vielen positiven Rückmeldungen zu meinem Buch wagte ich den Auflagendruck

Stimmt. Warum war ich nicht schon früher darauf gekommen? Wahrscheinlich weil ich nicht damit gerechnet habe, dass sich das Buch so gut verkaufen würde. Je mehr Leserinnen auf mich zukamen und meinten, sie hätten es in einem Zug gelesen, weil sie einfach nicht aufhören konnten, desto stärker glaubte ich an mich und meine Geschichte. Daran, dass sie spannend ist. Dass sie gekauft werden würde. So drückte ich beide Augen fest zusammen und machte das, was ich von Anfang an wollte. Ich unterschrieb den Vertriebsvertrag bei Nova und bestellte die zweite Auflage. Dreihundert Stück. Mein Bankkonto reklamierte, mein Bauch auch, eine schlaflose Nacht inklusive. Nach drei Tagen spürte ich, dass es die richtige Entscheidung gewesen war.

Heute bin ich dankbar, dass mir die richtigen Menschen im richtigen Moment Mut zugesprochen haben. Ohne sie hätte ich diesen Schritt nie gewagt. Ab 18. September 2021 ist »Lautlos wie dein Verschwinden«, mein Debütroman, offiziell im Buchhandel erhältlich oder signiert bei mir. Hier geht es zum Buch.

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