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Landschaften (1280 × 854 px)

Das zweite Buch ist das schwierigste – sagt man. Deswegen dachte ich mir, ich überliste mich selbst und schreibe das zweite, bevor es das erste überhaupt zu kaufen gibt. Problem gelöst? Nicht wirklich. Die Schwierigkeit bei mir war nicht, wie ich befürchtet hatte, potentielle Schreibblockaden, sondern die Erwartungen der Leserinnen ans zweite Buch. Mein Debüt »Lautlos wie dein Verschwinden« verkaufte sich besser, als ich je zu wagen gehofft hatte. Sowohl Leserinnen als auch Bloggerinnen mochten meine ruhige Art zu schreiben und subtil Spannung aufzubauen. Die Suche nach Isabels Tochter Leonie zog sich durchs ganze Buch und gipfelte in einem Höhepunkt, der es in sich hatte. Werden meine Leserinnen auch den zweiten Roman mögen? Der ist nämlich grundlegend anders.

Grundlegend andere Romane

Der Hauptunterschied liegt in den Hauptfiguren. Die beiden Frauen würden nie zusammen einen Kaffee trinken gehen. Sie stehen an zwei verschiedenen Stellen im Leben: die eine hat ein Kind und hat Angst, es zu verlieren, die andere interessiert sich nur fürs Laufen und kämpft mit sich und dem Verlust ihres Unterschenkels. Zeitlich spannt sich mein Debüt über wenige Tage, mit Rückblenden in die Vergangenheit, mein zweiter Roman über mehr als ein Jahr. Die Botschaft ist nicht dieselbe. In meinem Kopf sind es zwei komplett verschiedene Geschichten.

Oder doch nicht?

Doch sind sie das wirklich? Wenn ich mich auf die Gemeinsamkeiten fokussiere, finde ich viel mehr. In beiden Romanen geht es um eine Frau, der etwas Schreckliches passiert und damit klar kommen muss. Der Schreibstil ist ähnlich ruhig, genauso wie der Spannungsaufbau. Beide Romane behandeln schwere Themen, an die sich nicht jede Autorin heranwagt, die aber so verpackt sind, dass man nach dem Lesen etwas Positives mitnehmen kann. Und so unterschiedlich meine Hauptfiguren sind, haben sie doch etwas gemeinsam: Am Schluss sind beide verdammt stark. Daher sollte jemand, der meinen ersten Roman gelesen hat, auch den zweiten mögen.

Werden es meine Leserinnen auch so sehen? Die Frage werde ich erst beantworten können, wenn »Solange du nicht stehen bleibst« am 10. Mai 2022 erscheint und gelesen wird. Bis dahin warte ich, ein bisschen aufgeregt vor Freude, aber auch ein bisschen starr vor Nervosität.

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